Heute habe ich über einige Ecken erfahren, dass jemand sehr enttäuscht davon ist, wie ich mich im Laufe der Zeit verändert habe. Zuerst dachte ich, dass es doch ganz normal ist, wenn Menschen sich verändern - derjenige solle sich doch bitte deshalb nicht so aufregen. Dann habe ich aber doch ein wenig länger darüber nachgedacht, wie ich mich der Person gegenüber verhalten habe: Mal versetzt, mal im Vornhinein abgesagt, mal früher gegangen. Natürlich habe ich das nicht jedes Mal gemacht, aber manchmal ist mir wirklich etwas dazwischengekommen, manchmal hatte ich einfach keine Lust und manchmal wollte ich lieber etwas anderes machen.
Jetzt möchte ich mich entschuldigen. Und zwar ernsthaft. Es tut mir tatsächlich leid, dass ich mich teilweise wirklich blöd verhalten habe und den anderen dadurch verletzt habe. Schließlich hat er sich doch die Zeit genommen oder freigehalten, um etwas mit mir zu unternehmen. Erst als ich diesen Entschluss gefasst habe, ist mir aufgefallen, wie selten ich mich ernsthaft entschuldige und dass auch die Menschen um mich herum eher ein genervtes "'Tschuldigung" murmeln als zu sagen: "Du hast recht. Das war tatsächlich blöd von mir. Ich möchte mich entschuldigen". Woran liegt denn das? Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass man früher gerne mal von den Erwachsenen "gezwungen" wurde, sich bei einem anderen Kind zu entschuldigen, wenn man sich blöd verhalten hat. Jeder hat doch mal von seiner Grundschullehrerin gehört: "Gib ihm die Hand und entschuldige dich. Dann ist alles wieder gut." Und danach war doch tatsächlich alles wieder gut. Meistens hat man sich doch aber auch noch von sich aus entschuldigt und gefragt, ob man jetzt wieder miteinander befreundet sein könne.
Wann kam denn der Zeitpunkt, an dem es schwierig wurde, sich ernsthaft zu entschuldigen? Ich kann mich nicht daran erinnern. Aber ich glaube, es hat viel damit zutun, dass man sich - und dem anderen - in dem Moment der Entschuldigung seine eigene Schwäche eingesteht. Die eigene Schwäche ist in Zeiten von blankpolierten Lebensläufen aber wahrscheinlich das Letzte, das man sich ernsthaft vor Augen führen möchte. Auch oder gerade dann, wenn es um seine Freunde geht. Wir möchten uns nicht im Unrecht fühlen und schwächer sein als der andere. Auch wenn es nur um eine Sache geht, die wir gemacht haben. Deshalb murmeln wir lieber genervt als ernsthaft darüber nachzudenken, was wir getan haben. Denn irgendwie haben wir uns ja dann schon entschuldigt, ohne weiter darüber nachdenken zu müssen. Und der andere kann dann gar nicht mehr sauer sein.
Ich habe nun den Entschluss gefasst, mich morgen ernsthaft zu entschuldigen. Schwäche hin oder her - die Person ist es mir wert. Und wird mir die Schwäche sicher verzeihen - wir sind ja schließlich Freunde.
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