Meinen ersten Beitrag möchte ich dem letzten Buch, das ich gelesen habe, widmen. Es heißt Abends um 10 stammt von der neuseeländischen Autorin Kate de Goldi.
Es geht um einen Jungen namens Frankie, der sein Leben komplett
organisiert hat, weil ihm alles Unbekannte furchtbare Angst macht. Naja,
eigentlich macht ihm so ziemlich alles Angst. Wenn er sich den Kopf
komplett darüber zerbrochen hat, was ihm so alles Schlimmes passieren
könnte und schließlich der Meinung ist, dass ihm all das Schlimme auch
passieren wird, setzt er sich zu seiner Mutter ans Bett und spricht mit
ihr darüber. Das passiert immer abends um 10. So läuft sein Leben tagein
und tagaus, bis eine neue Mitschülerin, Sydney ,seine Klasse besucht.
Sie ist flippig, mutig und schert sich nicht darum, was andere denken
oder was alles passieren könnte – und arbeitet gemeinsam mit Frankie an
einem Schulprojekt. So lernen sich die beiden unterschiedlichen jungen
Menschen kennen und erleben eine Welt, die sich gänzlich von der eigenen
unterscheidet.
Das Buch hat mich kaum noch losgelassen. Auf der einen Seite ist es
wahnsinnig lustig, wie Frankie manchmal das Leben in seiner Familie
schildert, die nicht so ganz der Norm entspricht. Auf der anderen Seite
zeigt sich Frankie immer wieder als sehr nachdenklicher Junge, der eine
einfache Kleinigkeit so zerdenken kann, dass es für ihn den Anschein
macht als würde er daran zugrunde gehen. Ich selbst gehöre auch zu den
Menschen, die sich an kleinen, kaputten Gedanken so lange den Kopf
zerbrechen, dass sie tatsächlich bedrohlich wirken können. Aus diesem
Grund konnte ich so manche Panik von Frankie (vor beispielsweise einem
merkwürdig aussehendem Hautauschlag) durchaus mit einem Lächeln
verstehen. Besonders toll finde ich das Zusammenspiel von Frankie und
Sydney. Sie könnten kaum unterschiedlicher sein und sind trotz einigem
Unverständnis für das Leben des anderen, durchaus von einander
fasziniert.
So manches Mal in meinem Leben hätte ich mir eine Mutter wie die von
Frankie gewünscht. Die jeden Abend zur gleichen Zeit mit mir über meine
größten Sorgen spricht und mir erklärt, dass nichts von dem, was für
mich bedrohlich ist, wirklich schlimm enden wird. Vielleicht hätte ich
dann so manchches im meinem Leben nicht kaputtgedacht, sondern einfach
gewagt. Als mir dieser Gedanke kam, habe ich mich in das Buch verliebt.
Denn ich bin gleichzeitig zu der Erkenntnis gekommen, dass es im Leben
nie zu spät ist, sich ein wenig vom inneren Frankie zu lösen und
stattdessen die Sydney in sich zu finden.
Dieses Buch gehört für mich – schon allein aufgrund des Alters der
Protagonisten – zu den Jugendbüchern, obwohl dort auch recht erwachsene
Themen angesprochen werden. Aber ich kann es nur jedem empfehlen, der
vielleicht mal ein schönes Buch abseits des Mainstreams sucht!
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