Sonntag, 22. April 2012

Abends um 10. Gelesen, darüber nachgedacht und verliebt

Meinen ersten Beitrag möchte ich dem letzten Buch, das ich gelesen habe, widmen. Es heißt Abends um 10 stammt von der neuseeländischen Autorin Kate de Goldi.
Es geht um einen Jungen namens Frankie, der sein Leben komplett organisiert hat, weil ihm alles Unbekannte furchtbare Angst macht. Naja, eigentlich macht ihm so ziemlich alles Angst. Wenn er sich den Kopf komplett darüber zerbrochen hat, was ihm so alles Schlimmes passieren könnte und schließlich der Meinung ist, dass ihm all das Schlimme auch passieren wird, setzt er sich zu seiner Mutter ans Bett und spricht mit ihr darüber. Das passiert immer abends um 10. So läuft sein Leben tagein und tagaus, bis eine neue Mitschülerin, Sydney ,seine Klasse besucht. Sie ist flippig, mutig und schert sich nicht darum, was andere denken oder was alles passieren könnte – und arbeitet gemeinsam mit Frankie an einem Schulprojekt. So lernen sich die beiden unterschiedlichen jungen Menschen kennen und erleben eine Welt, die sich gänzlich von der eigenen unterscheidet.
Das Buch hat mich kaum noch losgelassen. Auf der einen Seite ist es wahnsinnig lustig, wie Frankie manchmal das Leben in seiner Familie schildert, die nicht so ganz der Norm entspricht. Auf der anderen Seite zeigt sich Frankie immer wieder als sehr nachdenklicher Junge, der eine einfache Kleinigkeit so zerdenken kann, dass es für ihn den Anschein macht als würde er daran zugrunde gehen. Ich selbst gehöre auch zu den Menschen, die sich an kleinen, kaputten Gedanken so lange den Kopf zerbrechen, dass sie tatsächlich bedrohlich wirken können. Aus diesem Grund konnte ich so manche Panik von Frankie (vor beispielsweise einem merkwürdig aussehendem Hautauschlag) durchaus mit einem Lächeln verstehen. Besonders toll finde ich das Zusammenspiel von Frankie und Sydney. Sie könnten kaum unterschiedlicher sein und sind trotz einigem Unverständnis für das Leben des anderen, durchaus von einander fasziniert.
So manches Mal in meinem Leben hätte ich mir eine Mutter wie die von Frankie gewünscht. Die jeden Abend zur gleichen Zeit mit mir über meine größten Sorgen spricht und mir erklärt, dass nichts von dem, was für mich bedrohlich ist, wirklich schlimm enden wird. Vielleicht hätte ich dann so manchches im meinem Leben nicht kaputtgedacht, sondern einfach gewagt. Als mir dieser Gedanke kam, habe ich mich in das Buch verliebt. Denn ich bin gleichzeitig zu der Erkenntnis gekommen, dass es im Leben nie zu spät ist, sich ein wenig vom inneren Frankie zu lösen und stattdessen die Sydney in sich zu finden.
Dieses Buch gehört für mich – schon allein aufgrund des Alters der Protagonisten – zu den Jugendbüchern, obwohl dort auch recht erwachsene Themen angesprochen werden. Aber ich kann es nur jedem empfehlen, der vielleicht mal ein schönes Buch abseits des Mainstreams sucht!

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